Innovationen

Internationalisierung: Startups wollen ins Ausland

Startups denken immer öfter über einen Umzug ins Ausland nach. Eine Internationalisierung ist aber nicht einfach.
10.07.2019
DigitalX-Internationalisierung-Fotolia-271470515
Die Eroberung ausländischer Märkte stellt große Herausforderungen an deutsche Startups. Copyright: Fotolia / BillionPhotos.com

Umzug ins Ausland wegen finanzieller Hürden

Deutsche Startups beschäftigen sich immer öfter mit einem Umzug ins Ausland. Einer der Hauptgründe: Die Finanzierung in Deutschland gestaltet sich in vielen Fällen schwierig. Trotz der Vielzahl von Fördermöglichkeiten ist vor allem die Wachstumsfinanzierung mit ein- oder zweistelligen Millionenbeträgen problematisch.

Nach einer Befragung aus dem Jahr 2019 von mehr als 300 Startups im Auftrag des Digitalverbands Bitkom steht nicht einmal jedem fünften deutschen Startup ausreichend Kapital für die kommenden zwei Jahre zur Verfügung. 27 Prozent überlegen deshalb, mit ihrem Unternehmen ins Ausland zu gehen.

Mehr als die Hälfte deutscher Gründer hat Expansionspläne

Dabei sind deutsche Gründer noch sehr heimatverbunden. 83 Prozent von ihnen machen ihre Umsätze vor allem hierzulande, wie der Deutsche Startup Monitor 2018 (DSM 2018) ausweist. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass rund 60 Prozent der Gründer erste oder sogar fortgeschrittene Expansionspläne hat. Fast alle zielen dabei auf die EU-Region ab. Dort wollen sich mehr als 95 Prozent der für den DSM befragten jungen Unternehmen in irgendeiner Form ausbreiten.

Grundsätzlich ist das eine gute Idee, denn Märkte im Ausland versprechen neues Wachstumspotenzial. Der Schritt in die weite Wirtschaftswelt kann sich also lohnen. Er will allerdings gut vorbereitet sein, denn eine Internationalisierung stellt gewisse organisatorische und finanzielle Anforderungen.

Market Finder: Wo lohnt sich eine Investition?

Zunächst ist zu klären, in welchen Ländern eine Expansion Erfolg verspricht. Falls es dafür noch keine konkreten Pläne gibt, hilft eine Marktanalyse weiter. Schließlich sollte für das betreffende Produkt oder die Dienstleitung eine ausreichende Nachfrage bestehen oder geweckt werden können.

Das ergibt ein Blick auf die Branche beziehungsweise die Wettbewerber an dem jeweiligen Standort. Ist dort der Konkurrenzkampf hart, stehen die Chancen für einen erfolgreichen Einstieg nicht gerade gut. Anders sieht das mit einem einzigartigen Angebot aus, das in dem Land noch nicht zu haben ist.

Auch Tools wie der „Market Finder“ können zur Entscheidungsfindung beitragen. Diese Online-Plattform, die vom Bundesverband Deutsche Startups gemeinsam mit Google gelauncht wird, richtet sich speziell an Startups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. Mit ihr wollen die Initiatoren den Firmen „digitale Werkzeuge und praktisches Know-how für den Export“ liefern und somit den Weg in Auslandsmärkte fördern und Wachstumschancen eröffnen.

Eine Garantie für eine gelungene Internationalisierung ist das aber nicht. Schließlich spielt auch das Einkaufsverhalten der potenziellen Zielgruppe eine große Rolle.

Für Marketing und Werbemittel sind Kenner gefragt

Die Mentalität weicht schon in den verschiedenen Regionen der Bundesrepublik teils erheblich voneinander ab. Diese Kontraste sind aus hiesiger Sicht im Ausland noch gravierender. Nicht alle ticken so wie die Deutschen und brauchen deshalb eine andere Ansprache. Beispiel Marketing: In manchen Ländern ist ein eher aggressives Vorgehen durchaus normal und wird sogar erwartet. Woanders sind leisere Töne angebracht.

Erhebliche Abweichungen gibt es auch hinsichtlich der Werbemittel. Die Bundesbürger sind noch nicht in dem Maße an Online-Kampagnen gewöhnt, wie zum Beispiel ihre französischen Nachbarn. Die sind in der Regel aufgeschlossener für elektronische Botschaften per E-Mails und Newsletter. Diese und andere absatzfördernde Maßnahmen sollten übrigens inhaltlich nicht automatisch 1:1 vom Deutschen in eine andere Sprache übersetzt werden. Was hier prima funktioniert, kann schon hinter der nächsten Landesgrenze floppen.

Das hat meistens soziologische und weltanschauliche Gründe. Deshalb ist es sinnvoll, für die Strategie der Internationalisierung Kenner des Ziellandes wenigstens beratend einzubeziehen, wenn nicht sogar federführend.

DigitalX-Internationalisierung-Fotolia-191955287
Vor einem Umzug sollten Kenner des Ziellandes konsultiert werden, um beispielsweise Online-Kampagnen anzupassen. Copyright: Fotolia / Rawpixel.com

Konsequenzen für die Umsetzung einer Internationalisierung

Ausgehend von den möglichen kulturellen und marktwirtschaftlichen Unterschieden, ergeben sich einige praktische Konsequenzen für auswärtig orientierte Startups und KMU.

  • Präsenz: Eine virtuelle Außenstelle ist meistens einfacher und günstiger einzurichten als eine physische. Deshalb muss nicht auf eine Geschäftsadresse im Zielland verzichtet werden. Die organisieren zum Beispiel spezielle Dienstleister. Das schafft nicht nur mehr Kundennähe, sondern macht es auch leichter, eine örtliche Telefonnummer zu bekommen oder ein Gewerbe anzumelden.
  • Kommunikation: Die Kundenansprache in jeglicher Form sollten idealerweise Muttersprachler formulieren. So stellen deutsche Startups und KMU eine korrekte, landesspezifische Tonalität sicher.
  • Internetauftritt: Es ist im Vorfeld ratsam, passende Domains für das jeweilige Land zu finden und sie für sich zu registrieren. Das gilt auch für die URL. Ist die ideale Kombination bereits vergeben, kann es sich lohnen, sie zu kaufen. Für Aufbau und Inhalt der Website(s) ist ein Kompromiss zwischen Corporate Identity und der Mentalität der Zielgruppe zu finden.
  • SEO-Maßnahmen: Andere Länder, andere Suchintentionen. Möglicherweise ist das Online-Angebot auf andere Keywords als in Deutschland abzustimmen.
  • Social Media: Welche Rolle spielen Facebook, Twitter und Co. im Zielland? Darauf müssen die Social-Media-Aktivitäten gegebenenfalls angepasst werden.

Die passende Strategie zur Internationalisierung berücksichtigt nicht nur die Finanzierung und Lokalisierung, sondern auch technische Fragen und Gesetze rund um Zoll und Steuern. Eine umfassende Planung ist unumgänglich. Wer sich das nicht selbst zutraut, kann damit spezialisierte Agenturen beauftragen – entweder für ein Komplettpaket oder einzelne Dienstleistungen.