Innovationen

Digitalisierung der Arbeitswelt: Bedrohung oder Chance?

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist unaufhaltsam. Doch überwiegen die positiven Aspekte der digitalen Revolution?
27.06.2019
DigitalX-Digitalisierung-der-Arbeitswelt-Fotolia_186127050
Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist kein Jobkiller, die Anforderungen verändern sich allerdings. Copyright: Fotolia / Gorodenkoff

Massiver Beschäftigungsabbau bleibt aus

[H2] Massiver Beschäftigungsabbau bleibt aus Die vielleicht größte Befürchtung im Zuge der Digitalisierung der Arbeitswelt ist der vermeintliche Abbau von Arbeitsplätzen. Doch bisher finden sich dafür keine Belege, die über Einzelfälle hinausgehen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2019 geht sogar davon aus, dass stark digitalisierte Unternehmen mehr Stellen schaffen als weniger transformierte. Menschen würden also weiterhin nicht in großem Stil von Robotern aus ihren Jobs verdrängt.

Generell werden mit der Digitalisierung der Arbeitswelt neue Berufe geschaffen, andere dafür überflüssig. Besonders hinsichtlich der zunehmenden Automatisierung von Routineaufgaben bringt die Industrie 4.0 viele Vorteile. Dadurch bleibt Beschäftigten mehr Zeit für andere Tätigkeiten. Jobs fallen also nicht in jedem Fall weg, eher verschieben sich Aufgabenbereiche. So müssen beispielsweise Maschinen instruiert sowie Abläufe koordiniert und kontrolliert werden. Menschenkraft und -verstand sind also nicht in jedem Bereich ersetzbar.

DigitalX-Digitalisierung-der-Arbeitswelt-Fotolia-219768409
Roboter in Büros? Eher nicht. Menschenkraft und -verstand sind nicht in jedem Bereich ersetzbar. Copyright: Fotolia / Alexander Limbach

Digitalisierung fordert Globalisierung und fördert Flexibilität

Insgesamt werden Jobs, die unter dem Begriff „Arbeiten 4.0“ zusammengefasst sind, anspruchsvoller. Eine vielversprechende Zukunft haben – wenig überraschend – Fachkräfte aus dem IT-Bereich wie zum Beispiel Programmierer. Schließlich gilt es, Maschinen und Anlagen mit Anweisungen zu füttern.

Hinzu kommt, dass Betriebe immer globaler agieren. Durch die Digitalisierung ist es auch für nicht ansässige Mitarbeiter einfacher, an Informationen zu gelangen. Teams werden in der Folge immer multikultureller und nach Projekten zusammengestellt, Hierarchien werden flacher. Den klassischen Vorgesetzten gibt es in Zukunft seltener. Stattdessen übernehmen einzelne Mitarbeiter immer mehr Verantwortung. Weiterhin werden ganze Geschäftsprozesse – wie auch jetzt schon – ausgelagert, häufig nach Asien.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt bringt noch einen Vorteil: Viele Berufe können überall dort ausgeübt werden, wo Internetzugang besteht. Arbeiten kann also viel flexibler werden – zumindest sofern derartige Arbeitszeitmodelle vom Unternehmen befürwortet werden. Familie und Beruf sind im Home Office leichter unter einen Hut zu bringen.

Risiken der Digitalisierung: Fragen zum Datenschutz

Der gesamte Prozess der Digitalisierung basiert auf Big Data, also riesigen Datenmengen, die transportiert und verarbeitet werden. Die Frage, ob und wie das geschieht, entscheidet über Erfolg und Ausgestaltung der Transformation. Zum einen muss dabei das Recht des Einzelnen auf Datenschutz wirksam gewahrt bleiben, zum anderen sind nützliche und innovative Anwendungen zu entwickeln. Es bedarf einer Datenpolitik, die den Anforderungen der digitalen Gesellschaft, den Verbrauchern und der Wirtschaft gleichermaßen entspricht. Unternehmen haben dafür Sorge zu tragen, dass geschäftsrelevante und sensible interne Daten von Fachkräften und spezialisierter Software geschützt werden.

Digitalisierung und Work-Life-Balance

Die Digitalisierung ermöglicht neue Arbeitszeitmodelle. Die machen zwar Abläufe flexibler, beeinträchtigen aber oft die Work-Life-Balance der Beschäftigten. Denn der fließende Wechsel von Arbeit und Freizeit birgt die Gefahr, dass der Job nie ganz pausiert. Permanent sind Mitarbeiter online, antworten noch um 22 Uhr auf E-Mails und halten sogar im Urlaub Telefonkonferenzen ab. Die höhere Verfügbarkeit schlaucht. Stressbedingte Erkrankungen wie etwa Burnout oder Depressionen nehmen dadurch zu.