Digital Leadership

Digital Champions Award Vorentscheid NORTH 2019

Wenn die KI den Schaden schnell reguliert
09.07.2019
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Sieger des Norden: Die Gewinner des Vorentscheids North des Digital Champions Award. Bild: Deutsche Telekom

Schäden rasch mit der Versicherung regulieren, Werkzeuge am Wochenende ausleihen - Unternehmen aus dem Norden bringen Lösungen für den Alltag. Das macht sie zu Digital Champions. Eine Übersicht der Award-Gewinner.

Das schönste Wochenende kann einen empfindlichen Dämpfer erleiden, wenn das nötige Werkzeug für den Umbau der Terrasse oder den Bau des Baumhauses kaputt geht. Im niedersächsischen Einbeck ist das nicht länger ein Problem. Die Hobbytischler und -fliesenleger können in die Grimsehlstraße fahren. Dort steht kurts toolbox. Das sind dunkelgraue Überseecontainer, in deren orangefarbenen Schränken Betonschleifmaschinen oder Laubbläser darauf warten, ausgeliehen zu werden. Per App wählt der Kunde das gewünschte Gerät und zahlt lediglich für die Nutzungsdauer.

Ersonnen hat kurts toolbox das Familienunternehmen Kurt König aus Einbeck. Für diese Idee, die dank digitaler Anwendung eine Ausleihe zu jeder Tages- und Nachtzeit erlaubt, wurde der 80 Jahre alte Mittelständler nun mit dem Digital Champions Award in der Kategorie Transformation Mittelstand ausgezeichnet. Den Wandel eines traditionellen Betriebs in einen modernen Dienstleister würdigte die Jury, so wie drei weitere Lösungen von Unternehmen aus Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein auf der DIGITAL X NORTH. Für Marco Ivers und Fabio Schuster von Kurt König, die den Preis in der Fischauktionshalle entgegennahmen, ist in Einbeck eine digitale Dienstleistung gestartet, die nun weltweit angeboten werden soll. „Wir wollen das nicht alleine ausrollen, sondern mit Franchisepartnern wachsen“, sagte Ivers. Nach Einbeck kommen nun Standorte im litauischen Vilnius und im niedersächsischen Stade dazu.

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Sieger der Kategorie „Digitale Transformation Mittelstand“: Kurt König Baumaschinen GmbH. Bild: Deutsche Telekom

Das Unternehmen Kone ist bereits weltweit aktiv und mit neun Milliarden Euro Umsatz im Jahr Marktführer bei Aufzügen und Rolltreppen. Digitalisierung bedeutet für KONE, die bestehenden Produkte in die Zukunft zu überführen. Aufzüge können nun mit Sensortechnologie ausgestattet werden, die es erlaubt, dass bei drohendem Verschleiß oder einem Defekt der Aufzug selber per Funk mitteilt, wo das Problem liegt. So kann der Monteur im besten Falle rechtzeitig vor dem Ausfall die verschlissenen oder defekten Teile tauschen. Zusätzlich können Aufzüge nach Nutzung und Bedarf und nicht nach starren Zeitrhythmen gewartet werden. „Das ist kein Allheilmittel für Fahrstühle aus den 50er Jahren, aber Aufzüge, die 20 oder dreißig Jahre alt sind, werden so maximal sicher und zuverlässig“, sagte Sebastian Warnsmann, Leiter Business Development der KONE GmbH, bei der Verleihung des Awards in der Kategorie Digitale Produkte und Dienstleistungen.

„KONE Care 24/7 Connect“ heißen die Services für Aufzüge, die die Nutzungsdaten analysiert, und so die häufigsten Ausfälle wie Probleme mit den Türen, einer Fehlfunktion des Kontrollsystems vorherzusagen. Überwacht wird unter anderem das Öffnen und Schließen der Türen, die Tasterfunktionalität, aber auch die Fahrleistung und Fahrzeit oder die Position und Bewegung im Schacht.

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Sieger der Kategorie „Digitale Produkte & Dienstleistungen“: Kone. Bild: Deutsche Telekom

Viele Daten, die gebündelt und zugänglich gemacht werden müssen. Für viele Unternehmen stellen sich beim Aufbau der nötigen Infrastruktur viele Fragen. Das Lübecker Unternehmen Vecctor hat sich darauf spezialisiert, die Unternehmensprozesse seiner Kunden zu digitalisieren. „Wir kommen aus der Telematik und es geht immer um die Frage, wie man die Daten in das eigene System bekommt“, sagt Brice de Ron, CEO von Vecctor. Es wird geschätzt, dass in den kommenden fünf Jahren rund 80 Milliarden Geräte im Internet of Things vernetzt sein werden – mit einer unbegreiflich großen Datenmenge. Bis 2025 soll die Datenmenge allein aus vernetzten Geräten nach heutigen Schätzungen auf 180 Zettabyte anschwellen, das ist eine Zahl mit 21 Nullen. Im Jahr 2018 waren es „nur“ 4,4 Zettabyte. Vecctor hilft heute dabei, diese Daten je nach Voraussetzung des Unternehmens zu nutzen. Und wurde dafür mit dem Award in der Kategorie Digitale Prozesse und Organisation geehrt.

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Sieger der Kategorie „Digitale Prozesse und Organisation“: Vecctor. Bild: Deutsche Telekom

Woher diese Daten stammen, lässt sich ahnen, wenn man sich das Geschäftsmodell von Eucon anschaut. Wer heute einen Schaden seiner Versicherung melden muss, kann davon ausgehen, dass die Regulierung des Schadens gut 30 Werktage in Anspruch nimmt. Solange dauert es heute in der Regel mit den tradierten Prozessen, bis die Ansprüche geprüft wurden. Geradezu sagenhaft verkürzt wird dieser Prozess dank künstlicher Intelligenz und Nutzung einer App auf rund zwei Werktage. Diesen Sprung belohnte die Jury mit dem Award in der Kategorie Digitales Kundenerlebnis. Eucon verarbeitet mit 400 Mitarbeitern jährlich drei Millionen Schadenstransaktionen – 76 Prozent aller Versicherungsverträge in Deutschland werden von Kunden von Eucon gehalten.

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Sieger der Kategorie „Digitales Kundenerlebnis“: Eucon. Bild: Deutsche Telekom

Die Versicherten erwarten heute eine schnelle Hilfe im Schadenfall, die meist jedoch ausbleibt. „SmartClaim“ nennt das Unternehmen seine Lösung. „Der Kunden nimmt mit unserer Lösung mobil den Schaden auf. Die Daten werden extrahiert, es wird mit Vorhersagemodellen gerechnet und der Kunden bekommt seinen Schaden schnell reguliert“, sagte Jörg Jiestroj, CTO von Eucon Digital.

Doch da will Eucon nicht stehen bleiben. Je mehr Daten vorhanden sind, desto weniger Informationen des Geschädigten sollen nötig sein, um den Schaden zu taxieren. Das Ziel: Notfalls soll ein einziges Bild ausreichen.