Digital Leadership

Digital Champions Award EAST 2019

Die diskrete Kontrolle für mehr Sicherheit
09.07.2019

Sicherheit in den eigenen vier Wänden, Paketlieferungen und Sendungen aus einer Box – die regionalen Gewinner des Digital Champions Award bieten Lösungen für den Alltag.

Privatsphäre und Sicherheit in den eigenen vier Wänden scheinen sich bei bestimmten Aufgaben zu widersprechen. Wie lässt sich überwachen, ob eine Person im Haushalt gestürzt ist, ohne Kameras zu installieren, die jede Bewegung aufzeichnen? Das Unternehmen Pikkerton hat eine Antwort gefunden. Sensoren, die per Infrarot Bewegungen aufzeichnen, können ermitteln, ob ein älterer Mensch gestürzt ist und Hilfe benötigt und diese dann auch rufen – ohne im Bild festzuhalten, was in der Wohnung geschieht.

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Bild: Deutsche Telekom

Dieses System erübrigt auch einen Notfallknopf, den viele ältere Menschen, die alleine wohnen, bei sich führen müssen. Diese Lösung war der Jury des Digital Champions Award den Sieg in der Kategorie „Transformation Mittelstand“ wert. Auch, weil sich das Unternehmen Pikkerton statt mit Lösungen für Privathaushalte mit industriellen Anwendungen beschäftigt. „Unsere Ingenieure denken in Nullen und Einsen. Wenn die ein Problem sehen, überlegen sie, wie sie es digitalisieren können“, sagt Pikkerton-Chef Lothar Feige. „Unser digitaler Zug besteht nur aus Lokomotiven, wir haben keine Waggons.“ So entstand die Lösung, die Datensicherheit und Zuverlässigkeit gewährt und Wärmematrizen auswertet. „Wenn etwas warmes am Boden liegt, wollen sie sicher sein, dass kein Alarm ausgelöst wird, weil der Bernhardiner auf dem Boden liegt“, sagt Feige. „Die Königsdisziplin ist die Vermeidung von Fehlalarmen.“

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Bild: Deutsche Telekom

Die Unternehmen in den östlichen Bundesländern zeigten beim Digital Champions Award ihre Kreativität und Ideenreichtum. Zahlreiche Lösungen helfen, Prozesse zu optimieren oder auch drängende Probleme im Alltag vieler Menschen zu verbessern.

Das gilt auch für das Unternehmen Paketin, das den Sieg in der Kategorie „Digitale Produkte und Dienstleistungen“ holte. Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich um eine Logistiklösungen. Die auf den ersten Blick wenig neu erscheint: Paketboxen. Mit einem zentralen Unterschied zu Packstationen von Anbietern wie DHL oder den Amazon Lockers. Die öffentlich zugänglichen Stationen von Paketin können von allen Dienstleistern genutzt werden. Der Kunde kann also seine Lieferungen von verschiedenen Paketversendern in einem einzigen Fach abholen. „Und die Retouren funktionieren über den gleichen Weg“, sagt Jörg Hänel, Geschäftsführer von Paketin. Mit Paketboxen will es das Unternehmen allerdings nicht bewenden lassen – sämtliche Schließvorgänge will das Unternehmen angehen und Türgriffe anbieten, die sich per App öffnen lassen und per Transponder. „Es kommt jeden Tag etwas Neues dazu“, sagt Hänel.

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Bild: Deutsche Telekom

Ein Produkt aus einer verwandten Anwendung hat das Unternehmen nexenio entwickelt – auch hier geht es um Zugänge zu Gebäuden. Wird die Identität heutzutage entweder per Chipkarte oder biometrischen Eigenschaften des Menschen belegt, bietet nexenio ein Verfahren an, das lediglich den Besitz eines Smartphones voraussetzt. „Das hat der Mensch heutzutage dabei, die meisten würden umkehren, wenn sie es zuhause vergessen, wenn sie aus dem Haus treten“, sagt Patrick Hennig von nexenio. Smartphones sind mit Bewegungssensoren ausgestattet – und kein Mensch besitzt das gleiche Bewegungsprofil. Aus den Mustern eines Menschen ermittelt nexenios Lösung einen Code, der dem Zugangsmodul mitteilt, dass der Besitzer des Smartphones identisch mit demjenigen ist, der es gerade trägt. „Wir authentifizieren uns als Menschen rund 30 Mal am Tag“, sagt Hennig. Am Arbeitsplatz beim Flugzeug-Check-In – an zahlreichen Punkten kann eine Smartphone-Lösung zum Einsatz kommen: „Das ist viel Zeit, die da drauf geht und die wollen wir sparen.“ Das einstige Forschungsprojekt beschäftigt inzwischen 75 Mitarbeiter und wurde für seine Lösung mit dem Sieg in der Kategorie „Digitale Prozesse und Organisation“ belohnt.

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Bild: Deutsche Telekom

Möglichst wenig Grund zum Einsatz wünscht sich wohl jeder Mensch, wenn es um den Sieger in der Kategorie „Digitales Kundenerlebnis“ geht: Telemedizin vor allem in Notfällen. „Leider ist es so, dass zum Beispiel in Brandenburg die Unfallzahlen steigen, die Zahl der Notärzte jedoch nicht“, sagt Denny Mieles von FTI Engineering. In ländlichen Gebieten erhöhen sich so die Anfahrtszeiten. „Wir haben für unsere Lösung deshalb eng mit dem Rettungsdienst zusammengearbeitet, damit sie eine echte Hilfe ist.“

Die Rettungssanitäter sind mit Bodycams ausgerüstet und per Voice over IP mit einem Arzt verbunden, der so aus der Entfernung Hinweise geben kann. Eine Notfallsituation kann so schneller geklärt werden als wenn es nötig ist, zu warten, bis der Notarzt physisch vor Ort eintrifft. Die ersten Sanitäter arbeiten bereits mit der Technologie, die klar belegt – Digitalisierung kann Leben retten.